An der Seite des Lebens

Positionierung katholischer Träger von Krankenhäusern, Senioren- und Behinderteneinrichtungen in Deutschland zur Frage des assistierten Suizids.

27.07.2020

Die Vertreter*innen der unterzeichneten Trägergesellschaften sehen mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 26. Februar 2020 zur Aufhebung des Verbots der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung (§ 217 StGB) wesentliche Grundüberzeugungen zum Schutz des Lebens in allen seinen Phasen gefährdet, die bisher in der Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland galten. Priorisiert wird stattdessen die Freiheit des Menschen, das eigene Leben zu beenden, welche das Recht zur Inanspruchnahme der Hilfe dritter Personen einschließe. Es wird ein Paradigmenwechsel vollzogen von einer Kultur der Solidarität und Sorge um den Anderen zu einer Kultur, die die Autonomie des Einzelnen fokussiert und dabei vernachlässigt, dass Menschen auch in der Wahrnehmung von Selbstbestimmung in Beziehungen eingebunden sind.

 

Die Erfahrung zeigt: Viele Menschen fürchten sich vor einer Über- oder   Unterversorgung am Lebensende, vor der Verletzung ihrer Würde und Situationen der Hilfsbedürftigkeit. Hinzu kommt die Angst vor Abhängigkeit und Kontrollverlust. Und auch bei bester Betreuung und Pflege und bei einer professionellen palliativen Begleitung werden Menschen in besonders schwierigen Einzelfällen den Wunsch haben, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Menschen richten in existenziellen Krisen und sozialer Deprivation den Wunsch nach Suizid und Suizidassistenz an Mitarbeitende unserer Einrichtungen. Für beides haben wir Verständnis.

 

In unseren Einrichtungen begegnen wir Menschen, die sich in einer kritischen Lebenslage befinden und den Wunsch nach einem assistierten Suizid äußern, immer mit Respekt. Wir lassen sie in dieser Not- und Leidenssituation nicht allein, sondern begleiten sie mit Aufmerksamkeit, Fürsorge und Zuwendung. Im gemeinsamen Gespräch suchen wir nach Möglichkeiten, körperliches und seelisches Leid zu lindern. Für Menschen, die sich aufgrund einer schweren Erkrankung am Ende ihres Lebens befinden, bieten wir, wo immer es möglich ist, eine fundierte palliative Versorgung an. Dabei wird auf die physischen, psychischen, sozialen und spirituellen Bedürfnisse der Patienten, Angehörigen und des Behandlungsteams eingegangen.

 

Als Christen vertrauen wir darauf, dass jedes einzelne menschliche Leben in jeder Phase von Gott gewollt und angenommen ist. Aus dieser Überzeugung erwächst uns die Verpflichtung, menschliches Leben in seinem unbedingten Wert zu schützen.

 

Aus dieser Haltung heraus lehnen wir es grundsätzlich ab, dass Ärztinnen und Ärzte oder andere Personen, die in einer professionellen pflegenden, betreuenden oder begleitenden Beziehung zu Menschen stehen, Beihilfe zum Suizid leisten oder sie bei der Vorbereitung eines Suizids unterstützen.

 

Geschäftsmäßige Förderung der Selbsttötung halten wir für unvereinbar mit unserem Auftrag, kranken, schwachen und alten Menschen und Menschen mit Behinderungen beizustehen und für sie da zu sein.

 

Wir teilen die Position der Deutschen Bischofskonferenz und des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland, dass die Zulassung organisierter Formen assistierter Selbsttötung alte und kranke Menschen auf subtile Weise unter Druck setzen kann, ihrem Leben unter für sie und andere schwierigen und belasten den Lebensumständen ein Ende zu setzen.

 

Darüber hinaus befürchten wir, dass die Zulassung das Risiko des Suizids von Personen erhöht, die aufgrund einer psychischen Erkrankung oder in einer akuten Krisensituation suizidale Tendenzen entwickelt haben. So wird der Schutz des Lebens gerade der besonders vulnerablen Menschen in unserer Gesellschaft aufs Spiel gesetzt.

 

Für unsere Einrichtungen gilt:

 

  • Patient*innen, Bewohner*innen und Klient*innen können sich gemeinsam mit ihren Angehörigen dar auf verlassen, dass ihnen die  bestmögliche Behandlung, Betreuung und Pflege zuteilwerden. Das schließt ein, dass sie auch dann bestmöglich betreut werden, wenn sie in einer existenziellen Krise keinen Ausweg wissen, eine Krankheit nicht mehr heilbar ist oder der Prozess des Sterbens begonnen hat.
  • Ärztinnen und Ärzte oder andere Mitarbeitende in unseren Einrichtungen leisten keine Unterstützung bei der Vorbereitung oder Durchführung eines Suizids.
  • Wir wollen in unseren Einrichtungen nicht zulassen, dass Vertreter*innen von Organisationen, die Suizidbeihilfe anbieten, oder andere externe Personen, unseren Patient*innen, Bewohner*innen, Klient*innen oder Gästen Beihilfe zum Suizid leisten.
  • Wir wollen dadurch auch unseren Mitarbeitenden Rückhalt bieten und sie davor schützen, in dieser Frage schwer erträglichen Konflikten ausgesetzt zu sein.
  • Wir setzen uns für eine menschliche, solidarisch sorgende Gesellschaft ein und sehen in einer Stärkung psychosozialer Angebote und der palliativen Versorgung eine Aufgabe mit höchster Priorität. Diese Versorgung bauen wir in unseren Einrichtungen und Diensten aus und treiben sie voran. Wir begrüßen gesetzliche Initiativen, die flächen- deckende Angebote von Organisationen zur Suizidassistenz verhindern. Wir rufen dringend alle Verantwortlichen der Gesundheitspolitik dazu auf, den Ausbau und die Vernetzung stationärer und ambulanter ebenso wie institutioneller und ehrenamtlicher Strukturen der Suizidprävention und der Hospiz- und Palliativversorgung weiter zu fördern.

 

Das Bündnis vertritt insgesamt 634 Krankenhäuser und Sozialeinrichtungen in Deutschland, in denen jährlich mehr als 1,8 Millionen Patientinnen und Patienten, Klientinnen und Klienten und Bewohnerinnen und Bewohner ambulant und stationär von über 90.000 Mitarbeitenden versorgt werden.

 

 

Kontakt über:

 

Georg Beule

 

Stabsstelle Ethik und Werte Marienhaus Stiftung

 

Postfach 1220, 56588 Waldbreitbach

 

E-Mail: georg.beule@marienhaus.de

 

Tel.: 02638 925-173

 
 

 

 

 

 
 
  

 

 

 

 

 

 

 

 
  

 

 

 

Hospiz Emmaus

Am Hirschberg 1c
66606 St. Wendel
Telefon:06851 80009-0
Telefax:06851 80009-29
Internet:http://www.hospizemmaus.de

Unsere Spendenkonten

Kreissparkasse St. Wendel
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